3.2.1 Die Leebewölkung
Ein typische Wettererscheinung bei Wellenströmungen ist das Auftreten von Wellenwolken (Altocumulus lenticularis), im Volksmund aufgrund ihres linsenförmigen Aussehens auch als "Föhnfische" oder "Linsenwolken" bekannt. Charkterstisch ist die quasi-stationäre Lage am Himmel, obwohl die Wolke selbst ständig durchströmt wird, wobei sie sich an der scharf berandeten Luvseite laufend neu bilden und an der meist diffusen Leeseite wieder auflösen. In manchen Fällen können die Lenticulariswolken mehrfach übereinander geschichtet sein und ein ziemlich spektakuläres Wolkenbild zeigen. In anderen Fällen fehlen sie vollständig. Das Vorhandensein von Ac len liefert einen Hinweis darauf, dass die Amplitude so groß ist, dass das Kondensationsniveau erreicht wird und/oder die Atmosphäre entsprechend feucht ist. Ansonsten gibt eine vorhandene Leebewölkung keinen Hinweis auf sonstige Eigenschaften der Wellen wie Vertikalbewegung, Wellenlänge, etc.. Der Altocumulus lenticularis wird hauptsächlich im Bereich zwischen 2000m und 8000m beobachtet. In höheren Niveaus, bzw. im Bereich der Tropopause wird manchmal die sog. "hohe Leebewölkung" vorgefunden. Im Gegensatz zur "klassischen Leebewölkung" (Ac len), die im Satellitenbild ein geripptes Wellenmuster zeigt, ist die hohe Leebewölkung durch ein im Infrarotbild auffallend helles Wolkenfeld im Ci-Niveau charakterisiert. Die hohe Leebewölkung dürfte im Zusammenhang mit Vertically Propagating Waves (Kapitel 4.2) stehen. In der oberen Troposphäre kann es bei ausreichendem Feuchtegehalt zur raschen Sublimation kommen, während die Verdunstung von Eiskristallen viel langsamer vonstatten geht. Daher löst sich die hohe Leebewölkung in den Abwindbereichen der Welle nicht auf und so erscheint diese als ein durchgehendes Wolkenband (Wallington, 1961). Das gerippte Wolkenmuster der klassichen Leebewölkung kann eine horizontale Ausdehnung von ca. 50 km bis zu einigen Hundert Kilometern erreichen. Im Satellitenbild vom 20. 3. 2000 (Meteosat - VIS) sieht man eindrucksvoll das gerippte Muster der Trapped Leewaves, die im Lee des Skandinavischen Gebirges eine Länge bis zu 500 km erreicht haben. (siehe Abb. 3.6) Das Cirrusband der hohen Leebewölkung kann mehr als 1000km lang sein. Abb. 3.7 zeigt ein Satellitenbild vom 4.3 1999 (Meteosat - IR), auf dem nicht nur im Lee der Alpen, sondern zugleich auch im Lee der Karpaten, des Apennin und der Dinarischen Alpen bzw. des Bosnischen Erzgebirges die hohe Leebewölkung erkennbar ist. Die hohe Leebewölkung im Lee der Alpen erstreckt sich nordostwärts bis ins Baltikum und erreicht eine Länge von mehr als 1500 km.
Neben der hohen und mittelhohen Leebewölkung sind Rotorwolken eine typische Beobachtung, die auf zum Teil starke Turbulenz hindeuten. (Kapitel 3.2.2). Das Vorhandensein von Leewellen ist nicht immer durch die hier beschriebenen Wolkenerscheinungen charaktersiert. Es können auch gut ausgeprägte Wellen auftreten, obwohl der Himmel wolkenlos bleibt. Andererseits deuten Lenticulariswolken immer auf eine laminare Wellenströmung hin, unabhängig, wie intensiv die Wellen ausgeprägt sind. |
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