6.2.6 

Einfluß der Windkomponente

Die in Gl. 6.4 zu wählende Windgeschwindigkeit ist die kammsenkrechte Windkomponente. Im allgemeinen sind die ostalpinen Gebirgszüge ost-west-orientiert. Daher wurde immer die 180°-Komponente zur Berechnung herangezogen.
Für welche Windkomponenten ist die vertikale Abnahme des Scorerparameters am besten bzw. nicht mehr erfüllt? Anders ausgedrückt: welche Gebirgszüge eignen sich bei gegebenem Windprofil zur Ausbildung von Wellen?

Abb. 6.12a, 6.12b und 6.12c zeigen die vertikalen Wind -und Scorerprofile von Mailand. In Abb. 6.12a sind die Profile der Windkomponenten 180° (S), 202,5° (SSW) und 225° (SW) geplottet. Alle drei Profile weisen eine große Ähnlichkeit auf mit vertikal zunehmendem Wind und abnehmendem Scorerparameter. Der Scorerparameter der WSW - Komponente in Abb. 6.12b nimmt ebenso noch nach oben hin ab, während das Profil der Westkomponente diese Abnahme nicht mehr erfüllt, wobei die Windgeschwindigkeit auch schon zu gering ist (Abb. 6.12c). Das in Abb. 6.12b dargestellte Profil der SSO - Komponente erfüllt ebenso noch die erforderliche Abnahme des Scorerparameters nach oben hin, bei noch ausreichender Windgeschwindigkeit im Kammniveau von 25 kt. Das Profil des Scorerparameters der Südostkomponente zeigt zwar einen optimalen Verlauf mit einem breiten Maximum unten (vgl. Gl. 6.5), allerdings ist in der unteren Troposphäre der Wind mit weniger als 15 bis 20 kt zu schwach. Aus den Darstellungen von Abb. 6.12a, 6.12b und 6.12c ist zu entnehmen, dass ein Auftreten von Leewellen innerhalb des Anströmbereiches von ca. 150° bis 250° möglich ist.
Anders ausgedrückt sind bei den vorhandenen Verhältnissen Wellen im Lee jener Gebirge zu erwarten, deren Kammlinien von etwa WSW-ONO (~240° - 60°) bis NNW-SSO (340° - 160°) orientiert sind. Dies überdeckt immerhin einen Bereich von +50°.

 

    Abb. 6.12a: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

 

    Abb. 6.12b: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

 

    Abb. 6.12c: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

Abb. 6.12a, 6.12b, 6.12c: 
Vertikalprofil des Scorerparameters und der Windkomponenten Süd, Südsüdwest, Südwest (6.12a), Südsüdost und Westsüdwest (6.12b) und Südost und West (6.12c) von Mailand 20.9.99 12z

 

Analog dazu sind in den Abb. 6.13a bis 6.13c die vertikalen Wind -und Scorerprofile von Udine dargestellt. Wie im Fall von Mailand weisen auch hier die Profile der Komponenten 180° bis 225° große Ähnlichkeiten auf. Die in Abb. 6.13b gezeigten Profile der westsüdwest -und südsüdöstlichen Windkomponente zeigen nicht mehr eine so eindeutige Abnahme des Scorerparameters wie es bei den Profilen von Mailand noch der Fall war.
Aufgrund vorhandener Windminima weisen beide Profile (Abb. 6.13b) ein Maximum in 6000m (WSW - Komponente) bzw. in 5000m (SSO - Komponente) auf. Das Windminimum in 5000m (SSO - Komponente) dürfte seine Ursache in der nicht ungestörten Strömung haben, da dieses auch im vertikalen Profil des Horizontalwindes (siehe Abb. 6.3c) zu finden ist. Anders ist das Windminimum im Profil der WSW - Komponente in etwa 6300m Höhe zu betrachten. Dessen Ursache liegt in der Drehung der Windrichtung, die sich ungünstig auf die vertikale Erstreckung der Wellen auswirkt. Aufgrund der geringen Windgeschwindigkeit unterhalb von 2000m und oberhalb von 6000m der 247,5°-Komponente dürfte man keine Wellenbildung mehr erwarten. Bezugnehmend auf das Scorerprofil der 157,5°-Komponente ist die Abnahme mit der Höhe nicht mehr ganz eindeutig. So gesehen dürfte die 157,5°-Komponente den äußersten Grenzfall darstellen, was die Ausbildung von Wellen betrifft.
Das für die noch weiter von 180° abweichenden Windkomponenten (West -bzw. Südostkomponente) keine Bedingungen für Leewellen mehr gegeben sind, zeigt Abb. 6.13c. In Abb. 6.13c ist zu beachten, dass die Skala der sekundären Abszisse vergrößert wurde, da der Scorerparameter aufgrund der geringen Windgeschwindigkeiten höherer Werte annimmt.

 

    Abb. 6.13a: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

 

    Abb. 6.13b: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

 

    Abb. 6.13c: links: Scorerprofile, rechts: Windprofile

Abb. 6.13a, 6.13b, 6.13c: 
Vertikalprofil des Scorerparameters und der Windkomponenten Süd, Südsüdwest, Südwest (6.13a), Südsüdost und Westsüdwest (6.13b) und Südost und West (6.13c) von Udine 20.9.99 12z

 

Aus den Abbildungen 6.13a und 6.13b ist ersichtlich, dass Leewellen für die südliche bis südwestliche Windkomponente möglich sind. Wie oben bereits erwähnt wurde ist bei den Profilen der WSW -und SSO - Komponente die Abnahme des Scorerparameters nicht mehr so eindeutig. Während aus den Profilen von Mailand zu entnehmen ist, dass Leewellen für einen Bereich von etwa 100 Grad (von OSO bis WSW) möglich sind, so ist hier dieser Bereich mit etwa 80 Grad (von 160° bis 240°) nicht ganz so groß.

 

Daraus ist also festzustellen, dass Leewellen möglich sind, wenn die mittlere Windrichtung von der kammsenkrechten Komponente um nicht mehr als +30° bis +50° abweicht. Diese Angabe entspricht auch jenen, die in der Literatur nachzulesen sind (vgl. Kapitel 3.3.2). Das heißt, dass im Lee jener Gebrigszüge Wellen möglich sind, bei denen die mittlere Anströmungsrichtung innerhalb des Bereiches von +30° (bei geringeren Windgeschwindigkeiten) bis +50° (bei höheren Windgeschwindigkeiten) zur Kammsenkrechten gerichtet ist.

Nachfolgenden Tabelle gibt eine Übersicht der mittleren Orientierung der Kammlinien der großräumigen Gebirszüge der Ostalpen und der erforderlichen Anströmungsrichtungen bei Süd -und Nordföhn:

 

Gebirge
Mittlere Orientierung der Kammlinie
Richtung der Kamm-
senkrechten
Erforderlicher Anströmungsbereich bei SW bis SE-Strömung
Erforderlicher Anströmungsbereich bei NW bis NE- Strömung
Alpenhaupt-
kamm
E - W
180°
220° - 140°
320° - 40°
Alpennord-
rand
E - W
180°
220° - 140°
320° - 40°
Steirischer Alpenostrand (Gleinalpe, Fischbacher Alpen)
NE - SW
140°
180° - 100°
280° - 360°
Alpensüdost-
rand (Pack, Koralpe, Saualpe)
N - S
100°
140° - 60°
240° - 320°
Kärntner / Slowenischer Alpensüdrand
E - W
bis
ESE - WNW
190°
230° - 150°
330° - 50°
Italienischer Alpensüdrand (Venetianische A., Dolomiten)
NE - SW
bis
ENE - WSW
150°
190° - 110°
290° - 10°

Tab. 6.2   Orientierung der Kammlinien im Ostalpenraum und erforderliche mittlere Anströmungsrichtung zur Ausbildung von Leewellen bei Nord -und Südföhn


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              6.2.5 Einfluß des Ortes des Radiosondenaufstieges

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